Archiv für Theater

18. Mai Montag 1987 (23.30 Uhr)

Veröffentlicht in Tagebuch mit Tags , , , , , am April 16, 2009 von lilsister

Wenig Schule (Derby), viel müd.
Zeitungsartikelchen für „Antilängwilertypen“ abgeliefert.

Ausnahmsweise heute Theater. Er bis zu gewisser Zeit Band üben. Ich vergass H’s Geburtstag.
Diskussion über letzte Szene. Danach Er und ich ein Stück lang bei Band. Sie sind gut! Mir gefiel’s besser als gedacht.

Dann heimwärts. Er düster. Mehr als zuhören kann ich leider nicht.
Ach, ich hab ihn so lieb. Warum muss man sich andauernd trennen!?!
So ein grosser lieber Junge. Wie kann nur jemand unnett zu ihm sein, oder ihm seine Frechheiten übelnehmen??!

Seine Gegensätze ziehen mich an: Egoist / Kavalier ; Kind / Mann ; ernst / verrückt ; allein / gesellig ; fest / verletzlich ; sogar lieb / gemein!
Vergehen die mit dem älter werden? Bitte nicht.

noch 15. Mai Freitag 1987

Veröffentlicht in Uncategorized mit Tags , , , , , am April 11, 2009 von lilsister

Wenn Probleme, dann „intern“ (ungute Gefühle). Gestern auf Bummel aufgezogen. Abend in Jugendgruppe war gemischt. Heute Morgen fühlte ich mich – unzufrieden. Doch dann besann ich mich auf Dich, meinen anhin besten Zuhörer, und Du hast alles arrangiert. Jetzt geht’s mir bestens. War guter (Theater-)Abend und auch danach. Er ist einfach – LIEB. Wenn ich doch diese reine, gute Laune auf Morgen mitnehmen könnte!

4. April Freitag 1987

Veröffentlicht in Tagebuch mit Tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , am Juli 29, 2008 von lilsister

Also, recherch, recherch…

Konf mühsam, aber vorbei. Beide letzte Donnerstage flau (kein Programm). Samstag Theater in N. (Heimatort, Lieblingscousine). Mittwoch und Donnerstag Schnupperlehre in zwei verschiedenen Buchhandlungen in T. Hoffen!

1 Woche sturmfrei von uns Kindern (Eltern Toskana). Heute Abend zwei Anrufe (ich im Pijama, vor Haare stutzen). 1. Jugendgruppe um 20h15, 2. Lieblingscousine für Sonntag Hundeschau in Bern.

Ich ab in Jugendgruppe. Spielen, Musik, reden. Am Ende noch 4. Gegen 3 Uhr Morgens mit Ihm gegen heim zue. Er kam noch weiter mit wegen verdächtigen Gesellen. Die Streiche, die er erzählt! Er ist extrem in Ordnung. Und bringt mich völlig aus der Ruhe. Ich glaube verliebt sein heisst, jemand macht einen unruhig.

Ich denke immer noch, wenn… Aber es soll nicht sein. Und eigtl. mag ich gerade seine Einstellung, niemanden zu wollen. Wir sind ja beide noch so (zu) jung.

Aber auffällig wirds vielleicht schon langsam, dass ich suche so viel wie möglich in seiner Nähe zu sein. Und so viele sind hinter ihm her!

Festgestellt: Habe mich lieber als ich möchte. Halte mich für anders… (seit je).

Name der Rose gesehen… Nicht soooo great, aber gut (vielleicht liegts am Kino).

21. März Samstag 1987

Veröffentlicht in Tagebuch mit Tags , , , , , , , , , , , am Juli 28, 2008 von lilsister

Morgen findet die Konfirmation meines mittleren Bruders statt. Meine Lieblingscousine ist hier. War mit ihr in der Jugendgruppe, dann Pub. Viele da, auch Er. Ich benahm mich nicht besonders gut. Hätte gestern noch eintragen sollen.

Donnerstag habe ich entschieden, dass es eigentlich gut ist, auf kollegialer Basis mit Ihm zu verkehren, auch altersgemäss. Wir waren 2er-Team bei Einzelwettkampf-Olympiade, und halfen uns, auch gegen die Regeln… Kam etwas über die Brille hinweg (er schimpf, schimpf, weil ich stets von ihr rede).

Freitag Theater mit allen, auch Ihm. Sind zu wenige. Textentwurf gesehen. Ich spritzte doof. Tja. Heute war ich gemischt und müde. Pub in Ordnung, aber zu laute Musik (live, sonst gute Stücke). Schreiben könnte ich dort.

Meine Cousine ist ein Schatz. Haushalterisch und auch sonst mir überlegen. Hoffe, es hat ihr nicht zu schlecht gefallen.

26. Februar Donnerstag 1987

Veröffentlicht in Tagebuch mit Tags , , , , , , , , am Juli 24, 2008 von lilsister

„Lieber Briefkastenonkel

Mein Problem ist folgendes: Mir fehlt jeder Instinkt im Kontakt mit anderen Menschen. Ich verhalte mich immer missverständlich. Den Jungen, den ich am meisten mag, behandle ich am kältesten. Immer, wenn ich gerade davor stehe, ein Gefühl zu zeigen, überkommt mich die Angst. Niemand darf es wissen. Auch sonst ist es so. Wenn ich am Abend über den Tag nachdenke oder rede, komme ich selbst oder Mutter darauf, wie andere verstanden haben könnten, was ich gesagt oder getan habe.

Ich bin unfrei in meinen Gefühlen. Das drückt sich in all meinen Bewegungen aus, keine Ahnung von Körperbeherrschung. Andererseits kann ich mich auch nie gehen lassen.

Bitte, was soll ich tun?“

Gestern und heute Abend hatten wir in der Jugendgruppe Gäste (Eltern, Behörden). Habe wieder etwas mit dem neuen R. getanzt. Ging schlechter als immer. H. verdächtigte mich in dieser Richtung. B.B. fragte mich nach meiner Verliebtheit. Habe ich Mutter zu verdanken. Konnte doch wirklich nicht reden. Erst auf dem Heimweg kam mir in den Sinn, er meine vielleicht sich…

Wollte über den anderen R. hinwegkommen. Geht nie ganz. Er ist zu gut, und muss in Echtheit noch viel besser sein. Ich möchte seine Echtheit kennen und lieben.

Schule: Dipl. Bücher!

Rückblende: Hoffentlich vergesse ich den super Regiekurs nie. All die Leute, die ich duze!

1. Februar Sonntag 1987

Veröffentlicht in Tagebuch mit Tags , , , , , , , , , am Juli 20, 2008 von lilsister

Kirchensonntag, Ferienbeginn. Ich fühle ich so eingeschränkt, unfrei, gehemmt. Gerade im Zusammenhang mit der Theatergruppe ist es mir schrecklich bewusst geworden, dass ich nur noch in Gegenwart meines jüngsten Bruders bin wie ich sein kann, Unsinn frei und laut loslasse, mich verstelle, spiele, improvisiere.

Gerade aus Angst vor der (Mittel)Schule habe ich damals begonnen, mich einzuschränken. Jetzt bin ich schon längst losgekommen davon, mein ich vor der Klasse total zu verbergen. Aber etwas wie ein Panzer hat sich um mich gebildet, den ich, auch wenn ich nun möchte, nicht mehr zu sprengen vermag.

Mein Selbstvertrauen ist wiedermal auf einem absoluten Tiefpunkt angelangt. Was macht mir noch Freude? Alles an mir missfällt mir. Wie könnte ich, wie ich bin, auch andern gefallen, wie frei werden?

23. November Sonntag 1986

Veröffentlicht in Tagebuch mit Tags , , , , am Juli 10, 2008 von lilsister

Eifersucht. Bei mir schon richtig auffällig: Ich bin eifersüchtig auf die besser benotete Schulkollegin, auf jedes Mädchen, das sich einen Freund angelt, ohne jede Hemmung, auf jedes glückliche Paar, und vor allem auf jedes Mädchen, das neben ihm sitzen darf.

Theater Weekend vom 22. bis zum 23.11.86

Ich habe ihn oft gesehen, war oft mit ihm zusammen. Er ist nett, kümmert sich um einen… aber eben: es ist sein Ziel, ein Kavalier zu sein, er kümmert sich also um jede. Wenn kein Stuhl frei ist, nimmt er einen auf den Schoss, im Dunkeln bietet er den Arm… Der Satz, den er mich stenographieren liess, war eigentlich eine Gemeinheit. (Schön wär’s, wenn’s keine wär!) Ich weiss einfach nie, wie reagieren, wie auslegen.

Überhaupt habe ich an dem Weekend nicht viel Durchsetzungskraft und anderes Positives gezeigt. Interessante, intelligente junge Leute kamen da zusammen. Eine Ansammlung von „Aussenseitern“? Er ist einer. Lauter flotte Burschen, vielleicht hübschere. Aber ich höre seine Stimme, sehe sein Bild und überhaupt. Nichts mehr zu machen. Ich will ja nicht romantisch werden.

Auf jeden Fall will er wohl kaum was von mir, und traurig hat mich gemacht, als er sagte, bei ihm daheim rede man nicht mehr miteinander. Überhaupt, was diese Kinder/Jungendlichen für Sorgen haben, ich sollte mich dagegen direkt schämen. Aber ich denke, aufschreiben ist nicht die dümmste Art, sich abzureagieren. Und leugnen kann ich auch nicht, dass ich an ihn denke, so oft, wie noch kaum an jemanden.

Er ist kein einfacher Junge, schwierig zum auskommen, ich weiss nicht, wie es wäre, mit ihm über alles reden zu können. Das wünsche ich mir ja. Aber eben: wir alle spielen, voreinander, vor uns selbst. Nur keine Blösse geben.

Er ist interessant. Wie erobert man bloss einen Jungen? Wenn ich doch jemaden fragen könnte. Bin ich eigentlich total gestört, dass ich keine Ahnung habe, keinen Instinkt für sowas?

Ich denke zu sehr an mich. Was würde ich ihm bringen? Er kann auch mit niemandem reden (ich könnte ja, aber ich tu’s nicht. Ich will nicht verletzbar werden), glaube ich. Aber wir haben doch vielleicht kaum Gemeinsamkeiten? Und das Theater, die beiden Kinofilme und die Jugendgruppe?

Ein endloses Spiel… um nichts. Denn dass ich je einen Freund haben werde, glaube ich selbst nur noch in den kitschigsten Träumen.