Archiv für Reiten

27. Mai Mittwoch vor Auffahrt 1987 (20.15 Uhr)

Veröffentlicht in Tagebuch mit Tags , , , , , , , , , am April 18, 2009 von lilsister

Kein ausgezeichneter Tag: Zusammenschiss beim Reiten.

Gestern Nami Spielwettkampf. Beide Gruppen unserer 1e (Volley und Basket) machten 3. von 6. Wir betonen aber, dass das neue Zählsystem gegen uns arbeitete… und bei uns war die Chancenauswertung (Körbe) schlechter als sonst.

Muss mal etwas Nettes über unsere Mädchenklasse schreiben. Alle sind schwer in Ordnung, ich kann mit allen reden! Auch äusserlich eine hübsche Klasse. Unser Neuling M. ist vielleicht nicht so eine Schönheit, aber dafür um so liebenswerter. B’s Schwester hat gestern ein Kind bekommen. S. und ich -> Hartgringe, sonst verstehen wir uns nicht mal so schlecht. B. ist hübsch und überhaupt, leider oft krank (Freund heisst phonetisch“Que“). T. ist auch sehr in Ordnung und meine grösste Konkurenz bei D. D. lässt sich nicht in Worte fassen. Quirlig, lebendig, verrückt wie niemand, und strahlt vor lauter Herzigkeit. Leider wie ich keine Starschülerin (wir pflegen eine andere Intelligenz, wie ich zu betonen liebe). D. liebt fernes: M. (mit Brusthaar!). B. ist nett und ausgesprochen gastfreundlich, verträgt nur nicht, wenn man (ich) sie beim vollen Namen nennt. Eltern getrennt. N. mit neuer Rastafrisur sowieso super. Aussteigerin in schwarz mit guten Schulnoten… K.L. ist meine besondere Schwäche. Cool und lässig, Ausstrahlung zum Männermorden… und netter mit mir, als ich verstehen kann -> hat noch eine supere jüngere Schwester (scheint P. aufgegeben zu haben). A. nun… ja die springt aus der Reihe. Schwankt zwischen massloser Selbstüberschätzung und totaler Einsicht hin und her. Launisch und störend… aber ein Erziehungsopfer (G. wollte nicht mit ins Bett… finish). S. aus Jugoslavien (Freund von dort) ist noch ein Schatz. Zahlte kürzlich halben Nussgipfel. Scheuer Witzbold – sitzt neu neben E., die auch immer reizender aussieht und gut zu sprechen ist… wenn sie spricht. K.H. ist ein Spezialfall. Sportlich und schulisch Spitze, zu ehrgeizig dank Vater, aber mir nimmt sie die Sprüche nicht mehr übel -> all right (Schwarm back in Deutschland). Dann kommt S., die dunkle Farmerstochter, die von nah betrachtet auch nicht uninteressant wäre. Kann lachen! Beste Freundin von Fodomodell D., die grosse Blondine, der man kein Kompliment machen darf und die seit 14 ihrem S. fast durchgehend treu ist (S. hat Dobermännin Evita!). S. weint wenn sie lacht, hat einen reizenden x-Gang und war mal Freak. Will Buchhändlerin werden und liebt L. seit… 9 Monaten. R. die Helle macht hier den triumphalen Schluss. Sie ist schwarz und sportlich (nicht mehr wie auch schon), bringt News aus B., ahmt nach und hat einen umwerfend trockenen Humor. Leider zur Zeit troubles, frisst und bricht (hoffentlich über W. hinweg, ein C. scheint interessant zu sein).

Eine irre Klasse, wie ihr merkt, und dann wären da noch die Abgänger: die stille L., T. die Vietnamesin mit dem reizenden (immer das Wort) Akzent, die laute D., die temperamentvolle P. und A. mit den Grübchen. Das war der Klassenklatsch.

Nun zu mir. Alle sagen, ich hätte mich verändert, strahle mehr aus mir heraus, schaue besser zu mir (Coiffeur?), es gebe nur noch ein Thema für mich (stimmt schon). Ich selbst weiss nur, dass sich meine Verklemmtheit etwas gelöst hat. Kann jetzt auch freundschaftlich zärtlich sein. Natürlich tut Er meinem Selbstbewusstsein gut.

Habe Ihn zum letzten mal am Montag vor der Band-Probe gesehen. War hart. Endlich hat er heute angerufen für morgen. Ist es schlecht, Ihn so oft zu sehen? Ich habe so Sehnsucht nach Ihm. Ich kann Ihn nicht gut anrufen: Er sollte so viel tun, von dem ich Ihn nicht abhalten möchte. Hoffentlich wird morgen ein guter Tag.

Weisst Du was? Ich könnte mal eine Bibel in die Hand nehmen.

26. März Mittwoch 1986

Veröffentlicht in Tagebuch mit Tags , , , , , am Juli 6, 2008 von lilsister

So ein deprimierender Abend heute!

Mutter lag auf der Couch, ich sass im Armstuhl und Vater ging hin und her in der Stube. Mutter begann von Herr H. zu erzählen, der Jäger ist und für 3 Wochen auf Kanada reise um Bären zu jagen (ca. 1000.- das Stück) und zu fischen. Ich interessierte mich, weil ich gerade über „Grosswildjagd“ in Südafrika gelesen hatte, und natürlich wegen Joe. Vater war auch interessiert und sagte dann, wie doch andere Leute solche Ferien machen könnten, worauf Mutter todunglücklich wurde und sagte, er sei so gemein. Sie habe ihm doch vom Geld, welches sie im Altersheim verdient hat, Norwegen zahlen helfen wollen. Und er sei dann nicht gegangen. Er sagte, sie wolle eben immer für ihn schauen, dabei könne sie doch nicht wissen, was er wolle. Und als sie auf die Wohnung kam, die er doch verkaufen solle, sagte er, er sei nicht an diese Wohnung gebunden, er sei an anderes gebunden als andere Leute. Auch auf meinen ef-Kurs (Sprachaufenthalt in Frankreich) kam Mutter und Vater meinte, am Schluss hätten dann alle ein schlechtes Gewissen. Ich mischte mich natürlich ein und behauptete, wenn er wollte, könnte er ja auch von seinem Lohn Ferien machen, wir hätten uns dann halt einzuschränken. Mutter wollte natürlich sogleich im Altenheim den ganzen Tag arbeiten und behauptete, wir brauchten nicht sie. Mit trieb das Ganze die Tränen in die Augen, weil man doch aus solchen Nebensächlichkeiten heraus in die blödesten Themen hinein rutsch und am Schluss wurde die Stimme grauenhaft deprimiert: wir schwiegen, starrten vor uns hin, Vater ging hin und her.

Schliesslich sagte Mutter, noch mit Tränen in der Stimme, sie wolle ins Bett, ich solle doch die Katze füttern, dass sie von ihr runter gehe.

Der Tag war nicht so schlimm. Letzter Schultag, letzter Tag Kochkurs mit Frau S. – die zum Vornamen wie ein Gewürz auf Holländisch heisst. Eine herrliche Person. Sehr schlank, in engen, schwarzen Hosen, mit schwarzen Pumps, weiten, schönen Pullis. Sie hat dunkle, gerade Haare, etwas wie eine wilde Rundschnittfrisur (mit Fransen), dunkle Augen und so ein reizendes, irgendwie immer verlegenes Lachen. Wenn sie so vor uns stand, die Hände in den Hosentaschen, irgendwie schon nicht ganz Lehrerin (=selbstsicher), wirkte sie so jung, wie sie ist. Endlich verstehe ich mehr vom Nicaragua-Problem, das mir bisher viele Rätsel bot. Sie war 4 und 6 Monate dort, erzählt nur, was sie wirklich weiss. Möchte mehr wissen, damit sie Probleme meistern kann (hatte Gelbsucht). Sie baute Häuser in Nicaragua. In ihrer ganzen Art ist sie, obwohl so jung (oder wegen?) etwas wie ein Vorbild für mich: so möchte ich es auch machen. Direkt an Schauplätze gehen, Betroffene kennen lernen, mich nicht auf anderer Leute Beobachtungen beschränken müssen.

Am Nachmittag war Reiten. Beim Galopp habe ich Rico fast das Maul verrissen. Es ging aber (für mich). Geht seine Liebe wirklich nur durch den Magen? Ich gebe fast nie etwas. Am Schluss habe ich fast alleine die Hufe gewaschen, geschmiert und ihn hineingeführt. Leider war er nur ungenügend geputzt (durchgebürstet). Haarwechsel…

Ich war schon um 17.00 Uhr daheim. Las Janina Davids Bücher „Ein Stück…“ Für mich ist Janina ein Spiegel. Ich bin nicht sie, doch Gedanken, Gefühle, Erlebnisse und Phasen gleichen sich. Ich möchte das Buch, das nur einen Fehler hat, nämlich, dass es aufhört, U. (meiner Lieblingscousine) geben. Aber ob sie Zeit dazu hat im Tessin? Ich glaube, auch für sie könnte Janina einiges bedeuten. (Ihr möchte ich einen Fortsetzungsroman ins Tessin senden. Ob’s gut kommt?) Ich war so gespannt, wie Janina wohl sein würde, wenn sie älter wäre als ich… doch genau im 18. Jahr hört das Buch auf. Keine Tips für mein Erwachsenwerden und -leben… Jeder muss halt seinen Weg allein suchen.

Wegen Janina habe ich heute Tagebuch geschrieben. Ob es wieder laufen wird? Schön wär’s. (Schreiben wie sie kann ich aber noch lange nicht!)