25. Januar Sonntag 1987
Ich sitze auf meinem Bett und höre endlich wieder einmal Fendrich. Eigentlich treibts mich nicht so wie sonst zum Schreiben. Was soll ich bereichten? Dass ich letzte Woche und auch vorher kaum einen Abend daheim und zu normaler Zeit im Bett war? Von der strengen Schule, den bald abgeschlossenen Vorbereitungen zum Kirchensonntag, vom Freitagabend, von heute?
Am meisten bewegt mich im Moment noch immer der gleiche Schmäh. Ich habe keine Ahnung, wie er zu mir steht. Entweder bin ich ihm gleichgültiger als jede, oder er hat Angst wie ich. Gestern hat mir Mutter mit ihrem Reden wieder Hoffnung gemcht. Hoffnung möchte ich aber nicht. Es wäre so einfach, ihn einfach von weitem zu beobachten. Aber ich muss nun mal mit ihm Kontakt haben. Und stets mache ich es falsch. Mit jedem kann ich reden, aber bei ihm trau ich mich fast nicht, wegen dem falsch machen.
Auf jeden Fall ist und bleibt er ein Schatz. Was er auch tut und sagt, er gefällt mir. Ski fährt er schön (18.1. Kleine Scheidegg), aber erst seit der 9. Klasse. Damals war er so müde, dass er dauernd stürzte. Vorgestern hat es ihn nun so genommen, dass man ihn, wäre die Bindung nicht auf, hätte „zusammenlesen“ müssen. Das ganze Gesicht hat er verkratzt, nach ihm, weil er mir zu Nahe getreten sei… Ach ja, gesehen habe ich ihn drum gestern Abend beim Jugendmusik-Konzert und weiss jetzt nicht, wie ich es bis zum Donnerstag aushalten soll.
Lassen wir es. Bin verliebter denn je. Schade, dass nichts werden kann.
PS. Träume schon von ihm.