4. Dezember Donnerstag 1986

Es ist doch noch nicht vorbei in mir.

Aber es macht mich stöhnen, wenn mir wieder einmal bewusst wird, wie wenig ich für ihn bedeute. Will er überhaupt keine? Ich kann nur hoffen. Ich weiss nicht, aber ich fürchte, es würde mir sehr weh tun.

Wie ich mich immer vor Schmerz zu schützen suche! Ich habe ja schon halb gefürchtet, halb gehofft, die kurze „Sturm-und-Drang-Zeit“ sei vorbei. Denn so oft wie zuvor hatte ich ihn schon nicht mehr durchgedacht. Trotzdem ging ich in den „besten“ Kleidern hin. Es war Samichlaus-Tag.

Er macht sich wirklich nichts aus mir. Ich habe ja auch nichts von der Liebenswürdigkeit oder dem gekonnten Charme anderer Mädchen. Auf jeden Fall kam er, wenn auch spät (aufschnauf!) und er belobigte meine Stiefel und er hörte mir sogar zu, als ich auf mein Hauptthema kam, mit welchem ich mich ja schon lange nicht mehr vor die Leute traue.

Leider kann er überhaupt nicht ermessen, was es bedeutet, wenn ich seinen Kaugummi weiterkaue! Dafür hat er mich „ein Schwein“ genannt, dabei hat er ihn angeboten!

Er will sich nie ganz anpassen und liebt ausgeflippte Ideen, bei denen sich die anderen an den Kopf greifen. Er bevorzugt den „fein gebrachten“ Humor, kann singen, spielt Schlag(zeug) und ist der Anstand und die Rücksicht selbst, wenn’s drauf ankommt.

Ich bin übrigens keineswegs raus aus dem Loch. Ich habe Angst, offen vor Leute hinzustehen vor Plumpheit, hohlem Kreuz und „Gstabi“. Aber heute war eben an sich ein „guter Tag“, wie man sie manchmal hat.

Es hat mich schon getroffen, dieses Verlieren aller Hoffnung am Wochenende. In vielen kleinen Momenten hat es sich zur harten Tatsache erwiesen.

Bisher haben andere, vor allem Jungen, mir mein eben wieder mühsam aufgeflicktes Selbstbewusstsein mit Gemeinheiten und Rücksichtslosigkeit niedergemacht. Jetzt ist es fast umgekehrt. Er ist so gut, dass es um so mehr schmerzt, zu schlecht zu sein.

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